CD der Woche
The Viennese Oboe
22. November 2025, 07:35 Uhr
Interpreten: Sebastian Breit, Stephanie Timoschek
Label: Supreme Classics
EAN: 4028098000890
Der sagenumwobene Wiener Klang wird sehr oft auf die Streicher im Orchester zurückgeführt. Es gibt aber vor allem auch zwei Blasinstrumente, die beinahe ausschließlich hier in Wien gespielt werden – das Wiener Horn und die Wiener Oboe. Letzterer widmet Sebastian Breit nun ein Album, das ihre unverwechselbare Klangwelt ins Zentrum rückt. Mehr dazu auch heute wieder von Michael Gmasz.
Ich sage es gleich, auf den Unterschied zwischen der Wiener und der im internationalen Einsatz befindlichen Französischen Oboe eizugehen, würde an dieser Stelle, mit abflachenden Obertönen, Registerwechsel, unterschiedlicher Grifftechnik etc. zu technisch ausfallen. Daher bitte ich Sie hier, Näheres im Selbststudium zu erforschen. Zur Provenienz sei nur so viel gesagt, es handelt sich um eine Wiener Modifikation einer altdeutschen Oboe, die 1880 über den Deutschen Oboisten Richard Baumgärtel nach Wien an die Hofoper gekommen und vom Wiener Instrumentenmacher Josef Hajek an „unsere“ Bedürfnisse angepasst wurde. Auf dem Album The Viennese Oboe von Sebastian Breit und Stefanie Timoschek sind drei Sonaten zu hören, welche, wie es zur CD heißt „die Besonderheiten der Wiener Musizier- und Spieltradition in idealer Weise zum Ausdruck bringen“. Werke von Karl Pilss, Hans Gál und Alexander Wunderer, einst selbst Oboist der Wiener Philharmoniker.
Sebastian Breit darf man schon aufgrund seiner Position als Solooboist der Wiener Philharmoniker als wohl einen der besten Wiener Oboisten bezeichnen. Er bringt auf seinem ersten Soloalbum nicht nur technische Perfektion, sondern auch ein tiefes Gespür für die stilistische Eigenart dieser Werke ein. Gemeinsam mit Pianistin Stephanie Timoschek entsteht eine Interpretation, die kammermusikalische Intimität mit expressiver Kraft verbindet. Ihr Zusammenspiel ist präzise, farbenreich und voller musikalischer Persönlichkeit – ein klingendes Plädoyer für die Wiener Klangtradition im 21. Jahrhundert und ein Schlaglicht auf drei spannende Werke, die in der öffentlichen Wahrnehmung sonst eher ein Schattendasein führen. (mg)



