Rezensionen
Venedig modern!
27. September 2024, 07:38 Uhr
Rund 800.000 Menschen sind bereits zur Biennale nach Venedig gepilgert. Dass es neben der Kunstausstellung in den Giardini und im Arsenal auch eine Musik-Biennale gibt, wird kaum wahrgenommen. Musikchefin Ursula Magnes berichtet vom gestrigen Eröffnungskonzert im Teatro La Fenice.
Venedig modern! Italienische Erstaufführungen.
Doch aus dem ursprünglich geplanten Programm wurde leider nichts. Der Geiger Leonidas Kavakos musst aus Krankheitsgründen leider absagen und so wurde auch aus dem geplanten Violinkonzert Nr. 2 „Scherben der Stille“ von Unsuk Chin nichts. Musik von Unsuk Chin gab es trotzdem zu hören. Die Interpreten der Uraufführung aus dem Jahr 2017 begeisterten das Publikum. Die australische Sopranistin Siobhan Stagg und der Dirigent Tito Ceccherini, dazu kam das Orchester des Teatro La Fenice. Ein best of ihrer Oper „Alice im Wunderland“ voller skurriler und verspielter Klangexplosionen.
Der erste Teil gehörte der britischen Komponisten Rebecca Saunders, die heuer auch für ihr Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wird. Das berühmte Ensemble Modern aus Frankfurt erhält den Silbernen Löwen und war auch auf der Bühne zu erleben um das große Stück für Ensemble und Orchester „Wound“ / „Wunde“ aus 2022 zu stemmen. Hier greift das Festival-Motto „Abolute Music“. Rebecca Saunders Klangläufe durch das Orchester verlangen allen viel ab. Auch dem Publikum.
Das "Soloensemble" aus solistischen Holz- und Blechbläsern, E-Gitarre, Streichern, zwei Klavieren und Schlagzeug stand dem großen Orchester gegenüber. Und tatsächlich vernimmt man Seufzer, Aufschreie, schlagartig wechselnde Klangereignisse – das Solo-Ensemble verschwindet öfter darin als dass es deutlich hörbar ist. Es bleibt eine geraume Zeit, um das Gehörte mit dem gold hellblau pastellfarbenen Innenraum des Fenice in ein lustvolles Wechselspiel treten zu lassen.
„Stille ist die Leinwand, auf der die Wucht des Klangs ihre Spuren hinterlässt. Der Klang reißt die Oberfläche der Stille auf oder zieht ihre Haut ab, zoomt heran und fällt in die Unterwelt, auf der Suche nach dem, was in ihrem Inneren liegt.“ Rebecca Saunders über ihr Stück. Das passt auch ganz gut zur Erkundung Venedigs abseits der Touristenströme.
Die Musik-Biennale ist noch bis 11. Oktober in Venedig zu erleben. (um)



