CD der Woche

Where Shadows Stay

31. Oktober 2026, 07:35 Uhr

Interpreten: Myriam Barbaux-Cohen

Label: Ars Produktion

EAN: 4262565890052

Der Anteil an Musik von Komponistinnen, die europaweit in Konzerten gespielt wird, liegt nach einer aktuellen Studie bei ca. 8,5%. Da ist eindeutig Luft nach oben, denken sich mittlerweile viele Künstlerinnen und Künstler und versuchen dabei natürlich auch die großen Konzertveranstalter mit ins Boot zu holen. Myriam Barbaux-Cohen beschäftigt sich z.B. mit Klaviermusik des frühen 20. Jahrhunderts, die vorwiegend aus weiblicher Hand stammt. Da ist auch für Michael Gmasz viel Neues dabei.

Die Musik soll nicht gespielt werden, nur weil sie von einer Frau stammt. Genauso wenig, wie Solistinnen oder Dirigentinnen engagiert werden, nur weil es gerade Mode ist. Im Vordergrund muss immer die Qualität stehen und zum Glück entdecken viele Musikerinnen und Musiker bisher verborgene Qualitäten, vor allem im Bereich Kammermusik, Lied, teilweise Orchestermusik und natürlich Klaviermusik. Wie auch Myriam Barbaux-Cohen, die auf ihrem aktuellen Album Where Shadows stay Werke von Cécile Chaminade, Armande de Polignac, Lūcija Garūta, Margaret Bonds, Gayane Chebotarian und Meri Davitashvili mit kurzen Stücken von Schostakowitsch und Skrjabin kombiniert. Energiegeladenes, Lyrisches, Romantisches und noch so vieles mehr aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Lyrik trifft auf Virtuosität, Impressionismus auf Moderne, europäische Tradition auf Spiritual und kaukasische Volksmusik. So heißt es in der labelseitigen Beschreibung der CD und so lässt sich die Musik darauf auch wunderbar zusammenfassen. Myriam Barbaux-Cohen singt und tanzt mit ihrem D Steinway und entführt uns in eine abwechslungsreiche oft entrückte Klangwelt. Absolute Entdeckung für mich sind aber die vier Preludes der lettischen Komponistin Lūcija Garūta und das Nocturne von Armande de Polignac. Erstere sind in den 1930er Jahren, während Garūtas Studienabschlusses bei Paul Dukas entstanden. Frühmodern und doch romantisch, voll versteckter Virtuosität strotzend. Polignacs Nocturne, das gleich zu Beginn die Sternlein strahlen lässt, steht vergleichbaren männlichen Werken in Qualität und Originalität um nichts nach. Und dann sind da natürlich noch Troubled Water von Margaret Bonds oder die rhythmisch treibenden Stücke aus dem Kaukasus der Armenierin Chebotarian und der Georgierin Davitashvili. Und und und … (mg)