F. X. Frenzel – eine diskographische Werk-Schau
In der Reihe „Curiosa“ erschienen ab 1981 vier LPs, 1994 eroberte Frenzel dann die digitale Welt. Die auf der Frenzel-Homepage angebotenen CDs bilden nur einen Teil der vorhandenen Tonträger; eine umfassendere Recherche erweist sich als lohnend. Hier einige Meilensteine der Frenzel-Diskographie:

Frühe Sinfonien (1994)
Zusammenstellung dreier symphonischer Werke, beginnend mit der düster anhebenden Sinfonia concertante g-Moll, eingespielt vom Ensemble „Neue Streicher“ unter Erke Duit mit Dimitri Polyzoides an der Solovioline. Während die Streichersinfonie in F-Dur, deren sich die Wiener Streichersolisten und Rainer Honeck an der Solovioline angenommen haben, mit einer abenteuerlichen Geschichte um ihre „Entdeckung“ aufwarten kann, erweist sich aus musikalischer Sicht „Eyne Wasser- und Jagdsymphonie“ als Herzstück dieser Produktion. Interpretiert vom ORF-Symphonieorchester unter Peter Keuschnigg ist das Highlight die Ouvertüre daraus mit erfrischend pompösem Barockflair.

Curiosa (1994)
Auf dieser CD sind kürzere Stücke aus der Feder Frenzels vereint, darunter zwei Suitenzusammenstellungen unter dem Titel „Stainprunner Codices“. Erwähnenswert ist der überaus amüsante Booklet-Text Reinhard Rabergers. Im Kapitel „Aus dem Weindeputat“ beleuchtet er u.a. eingehend die im magazin KLASSIK-Artikel angesprochene, durch ein großzügiges Honorar hochprozentigen Inhalts „umschattete“ Schaffensperiode Frenzels. Die wichtigsten Werke dieser Periode finden sich hier versammelt. Während die „Stainprunner Codices“ eher mittelalterliches Tavernen-Flair verbreiten, plätschern die restlichen Instrumentalstücke in barocker Gemütlichkeit vor sich hin. Hervorzuheben sind das Rondeaux aus der Sonate in G-Dur für Cembalo und das Allegro aus dem Weihnachtskonzert für Trompete und Orgel.

Hellsbergkonzert (2004)
Niemand geringerem als dem langjährigen Vorstand der Wiener Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg ist dieses Violinkonzert A-Dur gewidmet. Hellsberg folgt nicht der üblen Tradition eines Paul Wittgenstein, der die meisten der ihm auf den einarmigen Pianistenleib geschriebenen Werke verschmähte. Im Gegenteil. Er bekennt sich zu Frenzel mit den Worten: „Es macht Freude, seine Werke zu spielen“ und übernahm bei dem vorliegenden Konzert vom 21. April 2004 die Stelle des Solisten. Hellsberg geigt sich gemeinsam mit dem Kammerorchester der Universität Mozarteum und Dirigent Benjamin Bergmann durch dieses kurzweilige, nicht einmal 20-minütige Opus. Ein spontaner Klatschversuch von Seiten des Publikums nach dem 1. Satz lässt die enthusiasmierte Stimmung des Publikums erahnen. Highlight: der mitreißende 3. Satz, der gleich zu Beginn der Grieg’schen Holberg-Suite eine fröhliche Referenz erweist.

Engelsoratorium (2004)
Ein für Frenzel-Verhältnisse riesiger Besetzungsapparat ist hier gefordert. Das Reichersberger Engelsoratorium „de sanctis Angelis“ benötigt einen großen Chor, Solisten, Blechbläser, Schlagwerk, Kontrabass, Synthesizer (!) und Orgel. Ungewöhnlich präsentiert sich die Zusammenwirkung von Orgel und Schlagwerk. Unmut über teils zu „zeitgenössische“ Töne weiß der Komponist mit rechtzeitigen Wechseln in gewohntere Klangsphären zu begegnen. Highlights: Halleluja 1 und 2 sowie das Gloria, die an wuchtige Filmmusiken mit Chor eines Ennio Morricone oder eines Hans Zimmer (z. Bsp. „König der Löwen“) denken lassen. Ein Live-Mitschnitt vom 9. Juli 2004.

Concerto Grosso (2010)
Die Festival Sinfonietta Linz angeführt von Lui Chan mit zwei Concerti grossi des Barockmeisters und seiner Streichersinfonie in G, besser bekannt als „Swinging Symphony“. Frenzel, Pionier des easy listening? Definitiv. Highlights: der langsame Satz Andantino toskana aus dem Concerto grosso d-Moll, der 1. Satz des Concerto in F mit verjazzten Bläsereinsätzen und das wohl populärste Werk des bislang bekannten Frenzel-Œuvres, die leichtfüßige Swinging Symphony in einer eigens für das Kammerorchester Festival Sinfonietta Linz und dessen Leiter Lui Chan zum Jubiläumsjahr 2009 erstellten Streichersinfonie-Fassung.

Rieder Symphonie (2008)
Diese „Festliche Symphonie in B“ entstand anlässlich der Rieder Stadterhebungsfeier 2005, eingespielt vom Bruckner Orchester Linz unter Dennis Russell Davies. Neoromantische Klangwolke, in der u.a. ein Volkslied aus der Rieder Umgebung herumgeistert. Highlight: die Eingangsfanfare. Kein Wunder, dass sie für den Pausenfilm des Neujahrskonzerts 2009 ausgewählt wurde – majestätischer und prachtvoller geht nicht!

Landshuter Suite (2012)
Die Satzbezeichnungen dieser „musikalischen Wanderung durch Landshut und Umgebung“ zeigen die Vertrautheit des Komponisten mit lokalen Sehenswürdigkeiten, Sitten und Bräuchen, darunter speziell „Vom Ochsenwirt auf’s Land (zu einem Bierlokal)“ und das als großer Hymnus im letzten Satz verarbeitete „Hofberglied“.

Klavierkonzert (2014)
Man könnte sagen: Frenzel goes Romantik. Trotz düsterem c-Moll kein trauriges Werk. Solistin Maki Namekawa und die Festival Sinfonietta Linz unter Johannes Wildner bringen dieses mit sattem Orchesterklang aufwartende, knapp halbstündige Konzert. Highlight: das stimmungsvolle Largo adagio.

Concerto für 2 Streichquartette (2015)
Galt bislang der deutsche Geigenvirtuose und Komponist Louis Spohr (1784-1859) als Spezialist für Doppel-Streichquartette ist dieses Frenzel’sche Opus eine willkommene Ergänzung dieses Nischenrepertoires. Der Booklet-Text bietet eine herrliche Geschichte zur „Entdeckung“ dieses Werkes. So seien zunächst zwei D-Dur-Streichquartette Frenzels irrtümlich als separate Stücke ins Werkverzeichnis aufgenommen worden, wobei es der Frenzel-Forschung einiges Kopfzerbrechen bereitet habe, dass beide ungewöhnlich viele Leertakte aufwiesen und somit als unvollendet gelten mussten. Erst Katt habe die Lösung des Rätsels gefunden: Legt man die vermeintlich unvollständigen Partituren übereinander, erhält man ein diffiziles Doppel-Streichquartett. Voilà! In dieser Einspielung macht das nach Franz Xaver Frenzel benannte Quartett unter Stabführung Lui Chans gemeinsame Sache mit dem Raab Quartett und webt v.a. im langsamen Satz einen beinahe schon ätherisch anmutenden Klangteppich – ein langer Atem vergleichbar mit Beethovens „Cavatina“ aus dem Streichquartett op. 130 oder Mahlers berühmten Adagietto. Weiteres Highlight: die etwas schwermütigen, aber dennoch tänzerisch leichtfüßige Passagen des 3. Satzes. Wohlfühlklang par excellence.

Weingart’l – Suite
Ebenfalls das Franz Xaver Frenzel Quartett nahm sich dieser Suite an, die – wie für Frenzel typisch – mit ungewöhnlichen Satzbezeichnungen aufwartet. Lauten diese traditionellerweise bei einer Suite Allemande, Courante, Sarabande etc., entführt uns der Komponist hier sprichwörtlich in das titelspendende Weingart’l. Er nimmt uns mit auf „kleine Spaziergänge“, zeigt uns u.a. eine „Gottesanbeterin“ und einen „Tanz der Käfer“, bevor er die Suite ausklingen lässt mit einer „Kellerpartie“. Interessant sind die Proportionen der einzelnen Sätze: Während die beiden zwischengeschalteten Spaziergänge insgesamt ca. 2,5min. Spieldauer aufweisen und kein Satz länger als 3:29 dauert, nimmt die Kellerpartie mit stolzen 3:37min. wesentlich mehr Raum ein. Schelm ist, wer hieraus Rückschlüsse auf die persönlichen Vorlieben des Komponisten zieht. Highlight: „Der lustige Weinbergschneck“.

Wiegenlied-Sonderedition (2013)
Noch etwas Kleines gefällig? Und damit ist nicht nur die Länge des Stücks gemeint, sondern auch die Sonderausgabe in goldenem Kleinformat. 2001 hatte der damalige Bundespräsident Thomas Klestil Frenzel mit der Komposition eines Wiegenlieds für das japanische Kaiserhaus beauftragt. In bester barock-klassischer Manier überließ der Komponist daraufhin sein Prinzessin Aiko gewidmetes Mini-Trio für zehn Jahre exklusiv der musizierenden Kaiserfamilie. 2013 wurde es schließlich in vorliegender Einspielung durch Laura Maria Jungwirth (Violine), Bertin Christelbauer (Violoncello) und Maki Namekawa (Klavier) der Öffentlichkeit übergeben. Herzig!


